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Mutismus

Beschreibung

Mutismus ist eine kommunikative Auffälligkeit, bei der Menschen trotz intakter Sprach-, Sprech- und Hörfunktionen dauerhaft schweigen.

Es werden zwei Formen unterschieden:

Der elektive Mutismus ist eine nach vollzogenem Spracherwerb erfolgende Verweigerung der Lautsprache gegenüber einem bestimmten Personenkreis.Die Kinder schweigen nur außerhalb ihres vertrauten Umfeldes. Mit ihren Eltern, Geschwistern und guten Freunden wird altersadäquat gesprochen.Vor allem gegenüber Erwachsenen und Fremden und in unbekannten Situationen ist es den Kindern unmöglich, Laute zu bilden.
Diese Störung ist üblicherweise mit besonderen Persönlichkeitsmerkmalen wie Sozialangst, Rückzug, Empfindsamkeit oder Widerstand verbunden.

Der totale Mutismus ist eine nach vollzogenem Spracherwerb erfolgende völlige Verweigerung der Lautsprache.

Verlauf:

Beim Frühmutismus verstummen die Kinder meist in Angstsituationen im Alter von drei bis vier Jahren. Aber auch altersspezifische Trotzneigungen können das Schweigen auslösen. Der Spätmutismus setzt häufig bei Fünf- bis Siebenjährigen ein und hängt meist mit der Einschulung zusammen. Das Kind wird Problemen ausgesetzt und muss die gewohnte Gemeinschaft der Familie für den Schulbesuch verlassen.
Oft wird gegen Ende der Pubertät wieder mit dem Sprechen begonnen. Allerdings sind diese Menschen später häufig schüchtern und schweigsam.

Erscheinungsbild:

Die Sprechverweigerung tritt meist plötzlich ein. Das Kind nutzt aber andere Möglichkeiten sich mitzuteilen z.B. mit Hilfe von Gestik, Mimik oder schriftliche Aufzeichnungen. Typisch ist ein lautloses Lachen, Weinen und Husten. Gefährlich hierbei ist, dass die Kinder auch keinerlei Angst- und Schmerzlaute hervorbringen.

Mutismus muss man klar von anderen Störungsbildern abgrenzen, die zum Teil dieselben Symptome aufweisen (Sprechangst, Autismus, Hörschädigung, Hörstummheit).

Ursachen

Eine direkte Ursache ist nicht bekannt, man nimmt an das:

- psychologische Faktoren (Milieuschädigungen, Traumata und Konflikte) und
- somatische Faktoren (frühkindliche Hirnschädigung, Intelligenzdefizite) in Frage kommen

Behandlung

Bei Mutismus ist eine ganzheitliche Therapie notwendig. Sie sollte stationär erfolgen, um dem Kind einen Milieuwechsel zu ermöglichen.
Die therapeutischen Maßnahmen sollten drei wesentliche Punkte beinhalten:

- die primäre Symptomatik des Kindes
- die reaktiven Verhaltensweisen der Bezugspersonen
- die Defizite des Kindes an altersadäquaten Fähigkeiten.

Grundvoraussetzung für die Therapie des Mutismus ist, möglichst früh mit ihr zu beginnen, um einer Manifestation des Schweigens vorzubeugen. Allerdings darf Mutismus nicht als isoliertes Symptom gesehen werden, sondern als Bestandteil des Gesamtverhaltens des Kindes.

Wer kann eine Therapie verordnen?

- Kinderarzt
- HNO-Arzt
- Neurologe

 
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